11.09.2010
Lausitzer Rundschau 11.09.2010
 
Die Aufbauhelfer des Festes dürfen das „Chmehlen-Bräu 2011“ zuerst verkosten. Foto: Rasche/str1
Schon eine unverzichtbare Tradition ist das extra zu dem Fest kreierte Chmehlen-Bräu. Eine Löbauer Brauerei hat den Gerstensaft in ihren Kupferkesseln rechtzeitig zur vollmundigen Reife gebracht. Ein uraltes Kmehlener Rezept diente als Grundlage. Komplett übernommen habe es der Braumeister nicht, weiß Gudrun Kunze, Vorsitzende des Heimatvereins Großkmehlen 1205. Dieses Gebräu von anno dazumal würde heute wahrscheinlich kein Mensch freiwillig trinken, vermutet sie, »obwohl es als süffig, malzhaltig und süßes Schwarzbier beschrieben wird«. Der übermäßige Genuss des ursprünglichen Chmelen-Bräus soll am Folgetag mit einem stechenden Kopfschmerz verbunden gewesen sein.

 

Auch der heutige edle Hopfentropfen, der vom Vereinsmitglied Heinz Kunze (59) als »nicht zu süß und nicht zu herb« beschrieben wird, soll bei den vorangegangen Festen nicht ohne Folgen geblieben sein. Nachdem die Zunge gelöst war, stiegen die Kmehlener zu wahren Trinkspruch-Dichtern auf. Überliefert sind zum Beispiel: »Ein Chmehlen-Bräu, das ist mein Ding, das kommt noch vor dem Lausitzring.« Zu fortgeschrittener Stunde wurde es immer unzüchtiger: »Willst du mit der Magd ins Heu, trink erst ein Chmehlen-Bräu!«

 

Ob da etwas dran ist, weiß Gudrun Kunze nicht. Aber: »Wer im Verein ist, muss Bier trinken.« In Maßen natürlich.

Kmehlen soll den Nachforschungen des Ortrander Heimatkundlers Reinhard Kißro zufolge in grauer Vorzeit eine Schlossbrauerei besessen haben. Es wird vermutet, dass ein Teil der heutigen Friedhofmauer zu der historischen Braustätte gehört hat. »Wir haben aber bis heute keinen Nachweis dafür«, bedauert die 56-Jährige Gudrun Kunze. In der Gaststätte Richter habe es aber bis in die 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts eine kleine Brauerei gegeben. Es soll nur einfaches Braunbier mit wenig Alkohol ausgeschenkt worden sein.

Das heutige Chmehlen-Bräu mit dem Etikett des örtlichen Malers und Grafikers Heinz Thiele bringt mit 4,7 Volumenprozent deutlich mehr »Zündstoff« mit. Es soll nicht nur die Geister im Kopf rufen, sondern gegen jene im Schloss unerschrocken machen. Das wird besonders bei manch Erwachsenem notwendig sein, wenn er am heutigen Sonnabend in das Kellergewölbe des Schlosses geführt wird. Bis Mitternacht treiben dort Gespenster ihr Unwesen. Der Sage nach ist auch ein alter sächsischer Ritter darunter, der einst vor dem Schloss erstochen worden sein soll.

Von Manfred Feller