Martina Lorenz, Schulleiterin in Großkmehlen und Hauptorganisatorin der Tschernobylkinder-Aktion, freut sich von ganzem Herzen. „Wir sind so freundlich hier in Frauendorf aufgenommen worden. Das ist einfach großartig“, sagt sie erleichtert, während ihre „Schützlinge auf Zeit“ ausgelassen auf dem großen Spielplatz des Ortes herumtollen. In den vergangenen Jahren musste sich die Aktion immer wieder neue Unterkünfte für die Gastkinder suchen, weil entweder ein bauliches oder irgendein anderes Problem existierte. Seit Wochenbeginn haben die weißrussischen Kinder nun im Kirchgemeindehaus von Frauendorf Quartier bezogen, an das mit der Unterstützung einer Gerüstbaufirma extra ein provisorisches Treppengerüst als zweiter Fluchtweg angebaut wurde. Damit ist die Aktion wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt, an dem im Jahr 1991 alles seinen Anfang nahm. Renate Kolata, die mit ihrem Mann Fritz Kolata, dem damaligen Pfarrer in Frauendorf und Kroppen, die Tschernobylkinder-Initiative begründete, erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Wir hörten damals von einem Mediziner, dass vier Wochen an sauberer Luft und mit vitaminreicher Kost ausreichen können, um die Radioaktivität im menschlichen Körper bis zu 80 Prozent abzubauen. Das war der Auslöser für die Tschernobylkinder-Aktion. Wir können helfen, also taten wir es“, erzählt Renate Kolata. Seitdem hat die Initiative jedes Jahr eine Gruppe Kinder aus den besonders verstrahlten Ortschaften Neglubka, Paritschi und Koslowska zum Erholungsaufenthalt in Deutschland eingeladen. Auch das Ehepaar Bernd und Karina Thielicke aus Lauchhammer ist überzeugt, dass der Aufenthalt hier das Immunsystem der Kinder stärkt. Seit zehn Jahren sind die Thielickes Gastfamilie für Tschernobylkinder. An jeweils zwei oder drei Wochenenden beherbergen sie mehrere kleine Gäste – in diesem Jahr werden es die neunjährige Vika und die elfjährige Julia sein. Drei Geschwister von Vika waren in früheren Jahren schon mal bei Thielickes Gast. „Diesmal haben wir Ausflüge in den Erlebnispark Belantis und ins Wonnemar-Bad geplant“ erzählt Karina Thielicke. Ihre neunjährige Tochter Tina hat sich beim Begrüßungsabend jedenfalls schnell mit den beiden Gastmädchen angefreundet. „Wir verstehen uns über Zeichensprache“, sagt sie lachend. Bevor die weißrussischen Kinder Mitte Juli wieder abreisen, werden sie viel erlebt haben: Gemeinsame Wandertage mit Schülern der Grundschule Großkmehlen, Ausflüge ins Lausitzer Seenland, zum Schloss Sallgast und zur Schokoladenfabrik in Hornow, aber auch Arztbesuche und Fahrradtouren sind geplant.
Gastfamilie komplett: An den Wochenenden laden Karina und Bernd Thielicke (hinten) und Tochter Tina (vorn) weißrussische Gäste ein: Vika und Julia (M.) freuen sich schon darauf. Foto: cw
Von Catrin Würz

